Zum Nachdenken

Predigt zur Jahreslosung 2022: An der Türe zum unbekannten Zimmer 2022 (Johannes  6,37) 31. Dez 2021 – Pastors-Home

Ich sehe es ganz lebendig vor meinem inneren Auge. Da steht beim Krippenspiel der Wirt vor Joseph und der hochschwangeren Marie und spricht mit abweisender Stimme: „Geht weiter, hier ist kein Platz für euch“. Der Evangelist Johannes bringt es auf den Punkt, dass damit nicht nur Maria und Joseph, sondern eigentlich Jesus abgewiesen wurde. „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf“, heißt es dementsprechend in  Joh. 1,11.

Nun könnten wir uns innerlich bequem zurücklehnen und sagen: „Das betrifft mich ja nicht. Ich war damals nicht dabei. Und wenn ich dabei gewesen wäre, dann hätte ich ganz anders gehandelt“. Wirklich? Wie oft hat Jesus wohl schon bei uns „Wohnung“ nehmen wollen und wir haben sein Klopfen (Offb. 3,20) vor lauter Lärm in und um uns überhört oder schlichtweg ignoriert.

Nur gut, dass Jesus nicht nachtragend ist! Sonst würde er uns die berühmte „kalte Schulter“ zeigen, wenn wir zu ihm kommen. So aber lädt er uns zu sich ein. In ihm sollen wir das Brot des Lebens finden, wie es der Textzusammenhang deutlich macht. Brot gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Wer am verhungern ist, verlangt nicht nach Torte oder Kaviar. Er schreit nach Brot, um zu überleben. Damit ist klar: nur bei Jesus finden wir wirklich das Leben – und das für Zeit und Ewigkeit.

Am Ende der langen Rede Jesu, zu der unsere Jahreslosung für 2022 gehört, scheiden sich an Jesus die Geister. Einigen ist das alles viel zu radikal, was Jesus sagt. Sie kehren ihm den Rücken. Für die zwölf Jünger aber bekennt Petrus, dass sie bei Jesus bleiben wollen, weil er Worte des ewigen Lebens hat und er der Heilige Gottes ist. Bleibt am Ende die Frage an uns ganz persönlich: wie will ich mit der Einladung Jesus umgehen, die er mit der Jahreslosung für das neue Jahr  an uns richtet?

Thomas Käßner