Zum Nachdenken

Als David diesen Psalm niederschrieb (Vers 1), war er selbst ein Gesuchter und Gejagter. König Saul war hinter ihm her, weil er in David einen gefährlichen Konkurrenten im Kampf um die Macht und die Krone sah. David kann sich nur mit Mühe vor Saul retten und flieht zu Achisch, dem König der Philister (1. Samuel 21,11-16). Aber auch dort ist er seines Lebens nicht sicher. Hohe Beamte des Königs erkennen in David den, der als ehemaliger Heerführer Israels den Philistern schwere Verluste zugefügt hat. David bleibt in dieser Situation nichts weiter übrig, als sich wahnsinnig zu stellen. So kann er Achisch täuschen und fliehen– doch nur um den Preis, dass jetzt wieder Saul Jagd auf ihn macht.

Kein Wunder, wenn David in diesem Psalm fragt (Vers 13): „Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?“ Und aus seiner eigenen Erfahrung heraus kann er sagen, dass das nur möglich ist, wenn Menschen vom Bösen ablassen, Gutes tun und Frieden halten.

Doch wir wissen alle, dass das im Zusammenleben einzelner Menschen und ganzer Völker gar nicht so einfach ist. Der russische Kinderbuchautor mit jüdischen Wurzeln Samuil Marschak beobachtete einmal Kinder beim Spielen. „Was spielt ihr“ fragte er die Kinder. Die Antwort war: „Wir spielen Krieg“. Darauf sagte Marschak: „Krieg ist nicht gut. Spielt doch lieber Frieden“. „Das ist ein guter Vorschlag“, sagten die Kinder. Doch dann trat eine ratlose Stille ein, bis ein Kind fragte: „Wie spielt man Frieden?“

In der Jahreslosung für 2019 geht es um mehr, als nur Frieden zu spielen. Wir werden herausgefordert, Frieden wirklich zu wollen und zu leben. Aber schon der unbekannte Verfasser des Hebräerbriefs wusste, dass Menschen trotz besten Wollens schnell an ihre Grenzen stoßen, wenn es um ein friedliches Miteinander geht. Deshalb schließ er seinen Brief (Hebräer 13,20f.) mit dem Segenswunsch: „Der Gott des Friedens…, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“.

 
Thomas Käßner
Inspektor des GemeinschaftsverbandesSachsen-Anhalt