Zum Nachdenken März-April 2017

Es gibt eine nette Anekdote: Ein kleiner Junge steht in der Straßenbahn vor einer Diakonisse auf. Der Vater des Kleinen wundert sich und fragt, wieso er sich erhoben hat. „Das steht doch so in der Bibel“, antwortet der Junge und zeigt auf die Tracht der Diakonisse: „Vor einer grauen Haube sollst du aufstehen!“

Der kleine Junge hat wohl an die Weisung aus 3.Mose 19,32 gedacht:

Bildergebnis für 3.Mose 19,32

Respekt vor den „Alten“ fiel mir in jungen Jahren schwer. Im Studentenheim lernte ich einen Koreaner kennen, der für alle im Flur kochte und sie zum  Essen einlud. Als ich mit Yun Sup zu Tisch saß, kamen wir ins Gespräch über seine Familie. Ich wunderte mich, mit welchem Respekt er über Eltern und Großeltern sprach. War ich doch gerade dabei, mich von zu Hause zu lösen und  gegen Traditionen zu rebellieren. Er dagegen holte den Rat der Großeltern ein, ließ sie sogar mitentscheiden. Dabei berief er sich sogar auf die Bibel, denn er verstand sich als Christ: „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren!“

Nun bin ich selbst Rentnerin und kann Yun Sup besser verstehen. Mit dem Respekt gegenüber dem Alter ist ja nicht gemeint: „Alles soll gefälligst so bleiben wie es ist…“ Ich finde es spannend, wenn Menschen von Erlebnissen und Zeiten erzählen, die sonst nur in Geschichtsbüchern stehen. Von solchen Erfahrungen kann ich lernen – selbst wenn es Irrungen waren. Spätestens wenn die eigene Leistungsfähigkeit abnimmt, reift die Erkenntnis, auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Was zunächst wie eine unbequeme Mahnung erscheint, ist zugleich Gottes „Altersvorsorge“ für mich: Es liegt ihm am Herzen, dass ich in Würde alt werden kann!

Eure Inge aus Bülstringen

Archiv